Neurodiversität und Familien

Vierköpfige Familie liegt übereinandergestapelt auf dem Sofa. Alle lachen.

Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung …

… das ist der Kitt, der im Familienalltag alle zusammenhält. Egal, wie verschieden die einzelnen Mitglieder wahrnehmen, denken und handeln.

Neurodiversität beschreibt die natürlichen Unterschiede in der Art, wie Menschen denken, lernen und die Welt erleben. Autismus, ADHS, Legasthenie oder Dyspraxie sind entsprechend keine „Heilung oder Normalisierung benötigende Störungen“, sondern verbreitete Varianten menschlicher Neurologie – mit eigenen Stärken und Herausforderungen. Diese gilt es zu verstehen, sinnvoll zu unterstützen und sozial wertzuschätzen.


Der im Rahmen der Independent Living und Disability Rights Community sowie der Autistic Activism Bewegung geprägte Begriff Neurodiversität fokussiert die natürliche Bandbreite menschlicher Gehirnstrukturen und neurobiologischer Prozesse und Funktionen im Gehirn. Er bringt diese Variabilität zudem mit gesellschaftlichen Konventionen in Verbindung.

Demnach nehmen sogenannte neurodivergente Personen einerseits Reize und Eindrücke aus ihrer Umwelt schlicht anders wahr. Entsprechend fühlen und denken sie anders als sogenannte neurotypische Menschen.

Allerdings haben sich andererseits unsere gesellschaftlichen Räume, Regeln und Konventionen im Lauf der Entwicklung zunehmend an häufiger vorkommenden Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen orientiert. Viele unserer Alltagshandlungen und Abläufe in der Gemeinschaft sind an Durchschnittsleistungen als Maß von Typik und Norm orientiert. Sie stellen damit für Menschen mit außergewöhnlichen - evolutionär durchaus wichtigen - Fähigkeiten tägliche Herausforderungen dar. Sie schaffen Umgebungen und kulturelle Räume, in denen Außergewöhnliches wenig Platz hat.

Die hohe Wachsamkeit bei Menschen mit ADHS und die Fähigkeit zur Mustererkennung bei Menschen im Autismus-Spektrum haben in der Steinzeit Sippen von Jägern und Sammlerinnen vermutlich oft das Leben gerettet. Mit technischen Hilfsmitteln wie bspw. Künstlicher Intelligenz und unter den weniger von Mammutangriffen durchzogenen Umständen, die unser heutiges Leben prägen, erscheinen derartige Fähigkeiten zunächst weniger praktisch. Wir fördern sie als Gesellschaft folglich kaum oder gar nicht. Dennoch könnten die kreativen und logischen Potenziale zur Problemlösung, die neurodivergente Menschen oft mitbringen, vielfach Innovation und Entwicklung in unserer Gesellschaft anstoßen, wenn wir ihnen (Experimentier-)Raum gäben.

Neurodivergenz im Familienalltag

Für Familien bedeutet das Konzept der Neurodiversität, dass sie die einzigartigen Stärken und Herausforderungen jedes Familienmitglieds anerkennen und wertschätzen. Anstatt den Fokus auf „Defizite“ oder “Schwächen” zu legen, geht es darum, passende Unterstützung zu bieten und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich auch das neurodivergente Mitglied mit all seinen Persönlichkeitsfacetten entfalten kann.

Das ist eine enorme Leistung!

Neurodiversität kann im Familienalltag nämlich für jedes Mitglieder sehr herausfordernd sein. Einige belastende Situationen, die Familien im Alltag mit neurodivergenten Kindern, Jugendlichen oder auch Elternteilen erleben können, drehen sich bspw. um folgende Themen:

  • Aufbau und Einhaltung von ordnenden und Halt gebenden Strukturen und Routinen

  • Emotionale Regulation und Stressmanagement in Konfliktsituationen

  • Vermehrte Missverständnisse in der Alltagskommunikation

  • Geschwisterdynamiken und konflikthafte oder gefühlsintensive Dynamiken in anderen sozialen Beziehungen

  • Herausforderungen von außen in Schule, Ausbildung, Studium, Beruf

  • Alltagspflichten im Bereich der Selbstsorge und der Familie als sozialer Gemeinschaft

  • Kontaktverluste und Isolation

Hier den Blick frei zu halten, um Stärken zu erkennen und besondere Fähigkeiten zu fördern, verlangt allen viel ab.

Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung fördern dabei eine bedürfnisgerechte Entwicklung, die jedem Familienmitglied entsprechenden Spiel- und Handlungsraum freigibt. Dies trifft zu, unabhängig davon ob Kinder oder Erwachsene in der Familie neurodivergent sind!

Herausforderungen verändern sich mit dem Alter

Die Bedürfnisse neurodivergenter Kinder verändern sich mit dem Älterwerden. Kleinkinder brauchen oft Unterstützung bei der sensorischen Verarbeitung oder der Kommunikation. Für Schulkinder rücken Themen wie Aufmerksamkeit, soziale Interaktion und Lernstrategien in den Fokus. Jugendliche stehen vor neuen Herausforderungen: Identitätsfindung, Selbstregulation und der Übergang in Ausbildung oder Studium. Auch hier hilft es, individuelle Anpassungen zu finden und gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln.

Neurodivergente Mütter und Väter benötigen Unterstützung dabei, ihren Kindern altersgerecht das passende Maß an emotionalem Halt und Sicherheit spendender Ordnung zu geben ohne dabei eigene Grenzen zu ignorieren und eigene Ressourcen zu berauben. Sie benötigen Raum und Verständnis für eigenen Rückzug und Regeneration - mehr als andere Eltern.

Wichtige Ansatzpunkte für neurodivergente Familien

  • Akzeptanz und Wertschätzung der Unterschiede.
    Familienmitglieder lernen, dass neurologische Unterschiede nicht zu weniger wertvollen oder weniger fähigen Menschen führen, sondern dass diese Unterschiede neue Perspektiven, Fähigkeiten und Talente mit sich bringen können.

  • Förderung von Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz.
    Für Kinder und Jugendliche, die neurodivergent sind, ist es wichtig, dass sie verstehen, dass ihre Art zu denken und zu fühlen genauso wertvoll ist wie die der anderen. Familien können dabei eine große Rolle spielen, indem sie ihr Kind darin unterstützen, sich selbst zu akzeptieren.

  • Individuelle Unterstützung und Anpassungen.
    Jede Person braucht unterschiedliche Unterstützung. Für neurodivergente Kinder oder Erwachsene kann das bedeuten, dass sie bestimmte Routinen, Lernmethoden oder Hilfsmittel benötigen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

  • Abbau von Stigmatisierung.
    Familien können aktiv helfen, das Verständnis für neurodivergente Menschen in ihrem Umfeld zu fördern, um Vorurteile und Missverständnisse zu verringern. Ein offenes Gespräch über Neurodiversität kann zu mehr Empathie und Akzeptanz führen.

  • Förderung von Inklusion.
    Indem Familien eine Kultur der Inklusion und Akzeptanz schaffen, unterstützen sie nicht nur neurodivergente Mitglieder, sondern auch die gesamte Familie dabei, die Vielfalt des menschlichen Erlebens und Denkens zu schätzen.

Neurodiversität ist somit ein Aufruf, die Verschiedenheit in der Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren, als wertvollen Bestandteil der menschlichen Erfahrung zu sehen und zu unterstützen. Achtsamkeit und Verständnis helfen dabei.


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